Forum Rettungsdienst

Protokoll zur Sitzung des RZR Regional Passau zum Thema „Vorgehensweise bei der Desinfektion nach Fahrten von Patienten mit MRSA“. 

Termin:       26.01.2003, 15.00 Uhr

Ort:                 Diözesangeschäftsstelle des Malteser Hilfsdienstes,
Vilshofener Str. 50, 94034 Passau

Teilnehmer:   Dr. Huber, Gesundheitsamt Passau
Dr. Wiefling, Gesundheitsamt Passau
Dr. Schraml, Gesundheitsamt Freyung
Wolfgang Matejka, Leiter Rettungsdienst BRK KV Freyung-Grafenau
Stockinger Bernhard, stv. Leiter Rettungsdienst BRK KV Passau
Miller Bernhard, staatlich geprüfter Desinfektor, Hygienefachkraft BRK KV Passau
Werner Kloiber, stv. Rettungsdienstleiter MHD Passau, Vorstand RZR Regional Passau
Helmut Meisl, Assistent der Geschäftsleitung Privater Rettungsdienst Stadler, staatlich geprüfter Desinfektor, Vorstand RZR Regional Passau
Dr. Erwin Ging, Bereitschaftsarzt BRK KV Passau, stv. Landesarzt BRK, Sprecher der Vorstandschaft des RZR Regional Passau 

Nach der Begrüßung durch den Gastgeber Herrn Kloiber und der Vorstellung der Teilnehmer-runde gaben die Verantwortlichen der Rettungsdienste jeweils einen Bericht, welche Maßnahmen in den einzelnen Organisationen ergriffen werden nach einer Fahrt mit einem Patienten, der mit MRSA besiedelt ist. Dabei wurden unterschiedliche Abläufe bekannt, die unterschiedliche Zeit benötigten. Damit war für die Disponenten der RLST keine Dispositionsmöglichkeit mehr gegeben. Ziel der Unterredung sollte es deshalb sein, ein einheitliches Zeitschema zu erarbeiten, an das sich alle Organisationen halten und durch dessen Einführung wieder Planungssicherheit bei der RLST einkehrt. 

Die Ärzte und Fachleute der Gesundheitsämter hörten sich die bisherigen Abläufe an und zogen das Fazit, dass die Maßnahmen alle richtig seien, jedoch zum Teil überdimensioniert. Grundsätzlich sei einmal davon auszugehen, dass der Keim MRSA  einem gesunden Menschen keinen Schaden zufügen könnte. Zu verhindern ist das Verschleppen des Keimes auf potentiell gefährdete Patienten, die in ihrer Immunabwehr geschwächt sind (Dialysepatienten, Transplantationspatienten etc.).  

Maßnahmen des Personals beim Umgang mit Patienten die MRSA besiedelt sind: 

1)    Die wichtigste Maßnahme ist eine konsequente Durchführung der Händedesinfektion des Personals sowie das Tragen von Einmalschutzhandschuhen.

2)    Um einen Kontakt mit dem Keim zu vermeiden ist ein Schutzkittel zu tragen, damit die Kleidung des Personals nicht kontaminiert werden kann.

3) Ist eine Wunde mit MRSA besiedelt, ist die Wunde zu verbinden. Von einer verbundenen Wunde, deren Verband nicht durchnässt ist, geht keine Kontaminationsgefahr aus. Der Patient kann ganz normal transportiert werden. Um sich abzusichern sind die Kontaktflächen (z.B. Trage oder Tragestuhl), mit einem alkoholischen Sprühdesinfektionsmittel einzusprühen und dieses evtl. mit einem Einmalhandtuch zu verwischen. Die Einwirkzeit beträgt 15 Minuten. Das heißt nach Ende der Maßnahme dauert es 15 Minuten und das Fahrzeug ist wieder voll einsatzklar.

4) Ein Patient mit MRSA-Besiedelung im Nasen-Rachen-Raum bekommt einen Mundschutz. Ansonsten sind die persönlichen Schutzmaßnahmen des Personals wie unter 1) und 2) beschrieben durchzuführen. Die Fahrzeugdesinfektion beschränkt sich auf die Kontaktflächen und die unmittelbare Umgebung des Patienten. Diese werden mit alkoholischem Desinfektionsmitteln eingesprüht und evtl. mit einem Einmalhandtuch verwischt. Einwirkzeit 15 Minuten. Hustet oder niest der Patient sehr stark ist auch die Umgebung zu desinfizieren.

5)   Bei einem beatmeten Patienten, der abgesaugt werden muss oder einem Patienten mit Tracheostoma kommt für das Personal als zusätzliche Schutzmaßnahme ein Mundschutz in Betracht. Nach einem solchen Transport sind die Kontaktflächen und die Oberflächen des Fahrzeugs zu desinfizieren. Da Alkohole nur bei kleineren Desinfektionen angewendet werden dürfen fährt das Fahrzeug an die Wache und wir mit nicht alkoholischen Desinfektionsmitteln gewischt. Die Einwirkzeit ist unterschiedlich, meistens 1 Stunde.

 Zeitbedarf zur Desinfektion:

KTW                 MRSA in der Wunde (abgedeckt)                20 Minuten
KTW                 MRSA Nasen-Rachen-Raum                      30 Minuten 
RTW                 MRSA in Wunde (abgedeckt)                      20 Minuten
RTW                 MRSA Nasen-Rachen-Raum                      30 Minuten
RTW                 MRSA bei abgesaugtem beatmeten Pat.    90 Minuten
RTW                 MRSA bei Patienten mit Tracheostoma      90 Minuten 

Die Zeit berechnet sich aus der benötigten Desinfektionszeit und der Einwirkzeit. 

Erstellt:

Hauzenberg, 01.03.04

Helmut Meisl